Kinderprostitution und Tourismus

Schutz der Kinder vor sexueller Ausbeutung im Tourismus

Ein Tourist in der Dominikanischen Republik nimmt ein höchstens zehnjähriges Mädchen mit auf sein Hotelzimmer - und niemand schreitet ein. Ein anderer Urlauber missbraucht eine Elfjährige, ohne sich dafür verantworten zu müssen.

Die Touristenzentren Puerto Plata, Sousa, Punta Cana und Boca Chica haben sich in den letzten Jahren zu einem Eldorado für Reisende entwickelt, die Sex mit Minderjährigen suchten. Das Angebot ist groß, und die Gefahr, juristisch belangt zu werden, gering. Die Hälfte aller Dominikaner lebt in Armut. Vielen Kindern bleibt keine andere Wahl als in die Touristenzentren zu ziehen und dort auf ein Einkommen zu hoffen. Und sei es, indem sie sich den Touristen als Sexobjekte anbieten.

Mit dem Boom des Ferntourismus hat nicht nur in der Dominikanische Republik  die Nachfrage nach Sex mit Kindern enorm zugenommen. Hotels und Ferienressorts in aller Welt bieten den Touristen geeignete Möglichkeiten, um ungestört ihre Wünschen zu erfüllen.

Obwohl sexueller Missbrauch mit Kindern auch in der Dominkanischen Republik verboten ist, wird kaum eingeschritten, wie eine Studie aus dem Jahre 2001 dokumentiert: "Im Informationsbrief des amerikanischen Sextouristen Club 'TSM' schreibt ein begeisterter Urlauber über die Insel: Boca ist ein Ort der Männerträume... Die geheimsten Wünsche werden erfüllt... Boca ist ein Ort, wo die sexuellen Fantasien Wirklichkeit werden. Ein Ort, wo du in dein Zimmer mit einem Dutzend farbiger Mädchen gehen kannst und keiner sieht sich nach dir um. Es ist ein Platz, wo ein älterer Mann sich davon überzeugen kann, dass junge Mädchen ihm alle seine Wünsche von den Lippen ablesen und sie erfüllen, mehr als jede Frau in seinem Heimatland. Es ist ein Ort, wo ein Mann in seinem Video ein Star sein kann. Es ist ein Ort, wo ganz junge hübsche Mädchen ihm Sex für eine Lasagne anbieten. Es ist ein Ort, wo du ein Mädchen, ihre Schwestern und ihre Kusinen haben kannst für wenige hundert Pesos..."

In vielen Ferienorten der Welt haben engagierte Menschen, Aktivitäten zum Schutzder Kinder entwickelt und einige Regierungen haben entsprechende Gesetze erlassen.

Hotelbesitzer dulden nicht mehr, dass Pädokriminelle ihre Zimmer zur Ausübung sexueller Gewalt nutzen. Die Bereitschaft der Mitreisenden diese Vorkommnisse den Behörden zu melden, nimmt zu. Beschäftigte in der Reisebranche schützen nicht länger die kriminell handelnden Touristen. Nicht nur Thailand ist ein riskantes Pflaster für die Täter geworden, sondern auch andere asiatische Länder engagieren sich zum Schutz der Kinder vor sexueller Ausbeutung. In Brasilien treibt die nationale Tourismusbehörde die Umsetzung der jüngst beschlossenen Gesetze voran. Auf den Flügen der brasilianischen Fluggesellschaft wird mit kurzen Filmen über die Situation aufgeklärt und die Reisenden werden bei der Einreise vor Sex mit Kindern gewarnt: "Seien Sie herzlich willkommen in Brasilien, jedoch nicht um unsere Kinder und Jugendlichen sexuell zu missbrauchen." Doch die Tourismusbehörde belässt es nicht bei dieser Warnung sondern bittet um aktive Unterstützung bei der Strafverfolgung: "Auch Sie können dabei behilflich sein, diese Gewalttaten weltweit zu bekämpfen: "Zeigen Sie Sextouristen, Pädofile ...an!"

Der vor kurzem von den deutschen Reiseveranstaltern auf Initiative von ECPAT abgeschlossene Verhaltenskodex zum Schutz der Kinder zeigt, dass auch in der Reisebranche in Deutschland ein Umdenken stattgefunden hat. Dieser Verhaltenskodex ist kein Alleingang, sondern wird derzeit in oder besser vielen europäischen Ländern eingeführt. Diese Selbstverpflichtung gilt als wegweisend, da sie über bisherige Erklärungen hinaus geht und erstmals konkrete Maßnahmen zur Umsetzung umfasst.

Mit dem Verhaltenskodex möchte die Reisebranche aktiv zum Schutz der Kinder vor sexueller Ausbeutung beitragen. Darüber hinaus bietet die Selbstverpflichtung den Veranstaltern einen Imagegewinn, der ihnen Vorteile bei den Kunden und Kundinnen verschafft.

Konkret umfasst der Verhaltenskodex:

Entwicklung einer ethischen Unternehmenspolitik gegen die Prostitution mit Kindern und zur Verankerung in Leitbild und Unternehmensphilosophie

Information, Sensibilisierung und Fortbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Herkunftsland und im Zielgebiet. Die Angestellten werden über den Inhalt des Verhaltenskodexes informiert und Multiplikatoren fortgebildet. Das Problem der Prostitution mit Kindern soll dadurch von den Beschäftigten dauerhaft im Blick bleiben. Dabei werden Informationen über die zur Verfügung stehenden Kommunikationswege weitergegeben.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden ermutigt und in die Lage versetzt, geeignete Schritte einzuleiten, wenn der Verdacht besteht, dass jemand in die kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Kindern involviert ist (Missbrauch, Zuhälterei etc.) - vor allem, wenn dies auf dem Hotelgelände geschieht.

In den Unternehmen gibt es Ansprechpartner, die verantwortlich für die Information über den Schutz der Kinder vor sexueller Ausbeutung und Schulung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind.

Aufnahme von Klauseln in Verträge mit Hotels, Incoming-Agenturen und sonstigen Leistungsträgern, die eine gemeinsame Ablehnung der sexuellen Ausbeutung von Kindern deutlich machen. Hotels werden im Hinblick auf die kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Kindern als besonders wichtig angesehen.

Bereitstellung von Informationen und Hinweisen für Reisende. Für eine wirksame Sensibilisierung sollten Informationen in verschiedenen Phasen der Reiseplanung und -durchführung zur Verfügung gestellt werden. Dies kann unter anderen sein: Hinweise in Katalogen, Broschüren, Ticket-Abschnitten, Internetseiten, etc., auf dem Flug durch Inflight-Filme und Zeitschriften der Fluggesellschaften. Und in den Zielgebieten durch Hinweise in der Hotel-Lobby, in den Zimmern, Bars und Restaurants. Die Informationen machen die Reisenden auf das Problem aufmerksam und informieren, wohin sie sich mit anonymen Hinweisen wenden können (z.B. Hotline).

Zusammen mit der Reisebranche und der Polizei hat ECPAT ein Faltblatt "Kleine Seelen - große Gefahr" für die Reisenden erstellt , dass breit verteilt wird. Einige Reiseveranstalter legen es allen Reisedokumenten bei.

Geeignete Informations- und Sensibilisierungsmaßnahmen für einheimische Personen in den Zielgebieten des Reiseveranstalters.

Derzeit wird von der europäischen Reiseindustrie und den Internationalen Tourismusverbänden unter Mitwirkung von ECPAT und anderen Nichtregierungsorganisationen ein Monitoringverfahren beraten, das sowohl eine nationale als auch internationale Evaluierung ermöglichen soll. In Deutschland werden mit Hilfe jährlicher Fragebögen die Fortschritte bei der Umsetzung des Verhaltenskodex und seiner verabredeter Schutzmaßnahmen dokumentiert.

Die Chancen für die Durchsetzung des Verhaltenskodexes am Markt stehen gut, zumal in den Zielländern gemeinsam mit Nichtregierungsorganisationen, betroffenen Minderjährigen und der Reisebranche Sensibilisierungs- und Schulungsmaßnahmen entwickelt werden. Es ist  gelungen, auch staatliche Tourismusbehörden mit einzubeziehen. Als eine der ersten arbeitete die thailändische Tourismusbehörde (TAT) mit.

Inzwischen gehört Thailand zu den touristischen Zielländern, die sich am entschiedensten gegen die sexuelle Ausbeutung ihrer Kinder wenden. Staatliche Aufklärungskampagnen in Schulen und in den Dörfern, in denen Menschenhändler den "Nachwuchs" für ihre Sexclubs rekrutieren, sind wichtige Maßnahmen, Kinder besser zu schützen. Ein nationaler Aktionsplan gegen die kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Kindern wurde verabschiedet. 

Das Beispiel Thailand hat Schule gemacht und ermutigt auch andere Länder wie Kambodscha oder Brasilien durch die nationale Tourismusbehörde "Embratur" sich verstärkt für den Schutz der Kinder vor sexueller Ausbeutung im Tourismus einzusetzen.

In der Dominkanischen Republik ist man nun auch aufgewacht und die dortigen Tourismusbehörden wollen nun gegen die sexuelle Ausbeutung von Kindern entschieden vorgehen. Im November 2002 haben sie alle Verantwortlichen zu einem Beratungsgespräch zusammengeholt, um Maßnahmen zum Schutz der Kinder abzustimmen. Sie haben angekündigt, nun auch den Verhaltenskodex in ihrem Land umzusetzen.

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[1] Save the Children 2002