Zerstörte Kindheit - Die kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Kindern

Artikel 34 der UN-Kinderrechtskonvention lautet: "Die Vertragsstaaten verpflichten sich, Kinder vor allen Formen sexueller Ausbeutung und sexuellen Missbrauchs zu schützen. Zu diesem Zweck treffen die Vertragsstaaten insbesondere alle geeigneten innerstaatlichen, zweiseitigen und mehrseitigen Maßnahmen, um zu verhindern, dass Kinder (a) zur Beteiligung an rechtswidrigen Handlungen verleitet oder gezwungen werden, (b) für die Prostitution oder andere Handlungen verleitet oder gezwungen werden, (c) für pornographische Darbietungen und Darstellungen ausgebeutet werden."

In Artikel 35 verpflichten sich die Staaten weiter, Maßnahmen zu treffen, die den internationalen Handel und Verkauf von Kindern verhindern sollen. In Artikel 36 wird der Schutz der Kinder vor jedweder Ausbeutung geregelt. Artikel 37 sanktioniert Folter und Freiheitsberaubung von Kindern.

Kinder haben ihre eigene Sexualität. Jedes Kind hat das Recht auf Entwicklung seines Körpergefühls und seiner Sexualität, die seinem Alter und seinen Wünschen entsprechen. Wenn Erwachsene ihnen sexuelle Handlungen aufzwingen, dann sind nicht Lust und Liebe, sondern Macht und zumeist körperliche Gewalt im Spiel.

Sexueller Missbrauch umfasst Exhibitionismus und Voyeurismus, das Verlangen, masturbiert und gestreichelt zu werden, anale, orale und vaginale Penetration.

Ob dies durch Gewalt geschieht, spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Entscheidend ist, dass die Opfer aufgrund ihrer Entwicklung zum Zeitpunkt der Vergewaltigung Inhalt und Bedeutung dieser Handlung nicht begreifen können. Sie können nicht verstehen, dass damit soziale Tabus verletzt werden. In patriarchalen Gesellschaften muss das Bild vom starken, überlegenen Mann immer wieder von neuem bestätigt werden. Niederlagen und Unsicherheiten werden kompensiert, indem die Männer ihre intellektuelle, materielle oder körperliche Überlegenheit ausspielen. Die Opfer sind Frauen und Kinder.

Sexuelle Gewalt gegen Kinder verstößt gegen die Menschenrechte. Sie trifft die schwächsten Mitglieder der Gesellschaft.

Kinderkörper verkaufen

Die kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Kindern hat viele Formen und Facetten, die eng miteinander verbunden sind. Kinderprostitution ist ein uraltes und weltweites Problem. In vielen Ländern ist Kinderprostitution in die Kultur eingebettet und wird seit Jahrhunderten praktiziert. In anderen wiederum werden Vergewaltigung und sexuelle Ausbeutung stillschweigend geduldet. Immer mehr Länder werden zum Urlaubsziel von Reisenden, die sich zur ihrer Befriedigung - ohne Angst vor Aufdeckung und Strafverfolgung - an Kindern sexuell vergreifen. Das Geschäft mit Kinderkörpern boomt. Aus Angst vor AIDS werden immer jüngere Kinder verlangt. Die Nachfrage ist groß. Verbrechersyndikate und Zuhälter sind stets auf der Suche nach neuen "Angeboten". Jedes Jahr werden mindestens zwei Millionen Kinder Opfer von sexueller Ausbeutung. Sie werden gezwungen, ihren Körper an Touristen und Kinderpornoproduzenten zu verkaufen oder sie werden Opfer von Kinderhandel. Kinder werden verschleppt, verkauft, in Bordellen gefangen gehalten, vergewaltigt und vor laufender Kamera gequält.

Vergewaltigung der Wehrlosen

 Die sexuelle Ausbeutung von Kindern verursacht ernste, lebenslängliche - ja sogar lebensbedrohende - Verletzungen, die sich auf die körperliche, psychische, geistige, moralische und soziale Entwicklung des Opfers auswirken. So sind Kinder für Geschlechtskrankheiten anfälliger als Erwachsene. Missbrauchte Kinder sind nicht in der Lage, auf sicherem Geschlechtsverkehr zu bestehen. Ganz abgesehen davon, dass sie kaum über Aids und sichere Sexualpraktiken aufgeklärt wurden. Die psychischen Verletzungen sind dagegen schwieriger festzustellen. Viele missbrauchte Kinder haben ihr Schamgefühl verloren, sie fühlen sich schuldig. Manche sind der festen Überzeugung, minderwertig und wertlos zu sein. Manche flüchten sich in eine Scheinwelt und behaupten, die Prostitution selbst gewählt zu haben, dass sie auf diese Weise freiwillig ihre Familien unterstützen wollten. Andere leiden unter der Stigmatisierung oder dem Wissen, von jemandem missbraucht worden zu sein, dem sie vertraut haben. Alpträume, Hoffnungslosigkeit und Depressionen sind die Folgen. Viele versuchen, durch Drogenkonsum der brutalen Wirklichkeit zu entfliehen.

Seelische Wunden - körperliche Spuren

 Kinder, deren Selbstwertgefühl zerstört wurde und die ohne Vertrauen und Sicherheit aufwachsen, leiden ihr Leben lang unter den körperlichen und seelischen Folgen. Kinder, die wie Sklaven behandelt werden die durch Kinderhandel oder sexuellen Missbrauch verletzt wurden, haben es als Erwachsene sehr schwer, sich als vollwertige Mitglieder einer Gesellschaft einzubringen. Der Verlust von Würde und Selbstwertgefühlbewusstsein ist nur schwer zu überwinden. Viele Kinder überleben sexuellen Missbrauch und Ausbeutung nicht. Sie sterben an den ihnen zugefügten Verletzungen, an Aids, durch Drogen oder Suizid.

Wir engagieren uns

Rehabilitationsprogramme sind eine wichtige Maßnahme, um sexuell ausgebeuteten Kindern trotz all ihrer Verletzungen ein einigermaßen normales und auch erfülltes Leben zu ermöglichen. Oberstes Ziel ist dabei immer, die Kinder aus der Prostitution herauszuholen, ihnen zu helfen die traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten und sie durch Bildungs- und Ausbildungsangebote davor zu schützen, dass sie sich erneut prostituieren müssen. Mangels Ressourcen existieren in den Ländern des Südens kaum staatliche Einrichtungen zum Schutz der Kinder vor sexueller Ausbeutung. Daher fördern Mitgliedsorganisationen von ECPAT Deutschland (kirchliche Hilfswerke wie Brot für die Welt, MISEREOR und missio; Hilfsorganisationen wie Kindernothilfe, Human Help Network oder Solwodi) verschiedene Kinderschutzeinrichtungen vor Ort, die sich gefährdeter und betroffener Kinder und Jugendlicher annehmen. Die Bandbreite der Projektpartnerschaften reicht von Präventions- und Schutzmaßnahmen bis hin zu Hilfen für die Opfer.